Warum Karneval ein „Jeföhl“ ist

Weiberfastnacht ist einer meiner Lieblingstage im Jahr.

Aus verschiedenen Gründen. Ich liebe diese Stimmung schon morgens im Büro. Die Musik ist lauter als sonst. Selbstmurmelnd Karnevalsmusik natürlich. Viele sind kostümiert – einige davon morgens halb sieben erst teilkostümiert (wie soll Frau morgens um die Zeit auch schon fertig sein?!) Das schaffe ich seit Jahrzehnten nicht. Schminke und Haarspray liegt überall herum und man hilft sich gegenseitig beim Fertigmachen und so ist es an diesem Tag eben nicht wie an jedem anderen Arbeitstag.

In den einzelnen Abteilungen gibt es Frühstück – echt kölsch mit Mett und Zwiebeln und allem was dazugehört – Et rüsch noh Karnval (Bläck Fööss). Trotzdem wird natürlich noch gearbeitet. Bis 11:11 Uhr. Aber die Stimmung ist eben eine Andere. Eine Besondere. Auf der Fahrt ins Büro begegnet man im dunkeln daherschleichenden Clowns, Hexen und noch müden Menschen, gerne in ruut un wieeeeess (den kölschen Farben), aber auch allen anderen Farben des Universums mit noch kleinen Augen und einem Kaffeebecher in der Hand.

Auch wenn ich morgens noch müde bin und mir gar nicht vorstellen kann richtig in Karnevalsstimmung zu kommen – spätestens um 9 oder 10 Uhr hat sich das erledigt und die Musik und die aufgekratzte Stimmung haben ihres dazugetan und mich in ihren Bann gezogen. Das ist so sicher wie das „Amen“ in der Kirche! Das liegt im Blut und in den Genen Wo auch immer das herkommt. Dieses „Karnevalsgen“ – so denke ich ist unkaputtbar. Da kann man „flüchten wollen“, nicht mitmachen, in den Süden fliegen…. (habe ich auch mal gemacht)

Und was hat Frau? Heimweh noh Kölle. (Wenn ich su an ming Heimat denke, un sin dr‘ Dom su vür mir stonn….., -Willi Ostermann)

Mache ich nicht wieder ….! Die Welt kommt nach Köln- und ich bin „fott“ ?!- Och nö!

Ab 11:11 geht’s zum Feiern mit den Kollegen – oftmals in großen Gruppen… – wechselnde Konstellationen (Es gibt einen harten Kern). Neue kommen dazu, Alte verlieren sich im Universum. Verstreuen sich über die Jahre. Immer die gleichen 2 bis 3 Locations. Seit über 3 Jahrzehnten. Wenn das mal nicht Tradition ist. Wahnsinn, oder?  Schunkeln, tanzen und sich im Kreis in den Armen halten ob man sich kennt oder nicht, der „Kranz“ in der Mitte. Singen und tanzen… Ah – tem – los….und ganz manchmal…..wenn die „richtigen“ Lieder kommen – auch Sentimentalität die Pipi in den Augen macht…. an alte Zeiten erinnert…..

„En unsrem Veedel…..dat is doch klor….dat schönste wat mer han, schon all die lange Johr“ – heul….( Wieder die Fööss)

Dat „Jeföhl“ bleibt! Und das ist ja das worauf es ankommt. Diese besondere Stimmung. Von einem Moment des wilden Feiern übergangslos in tiefe Sentimentalität. Da geht et Hätz auf – So isset in Kölle. Und so war et schon immer. Karneval ist mehr als nur „saufen“. Es ist die Mischung von ausgelassener Feierfreude im einen Moment – und tiefer sentimentaler Gefühle und Heimatliebe im nächsten. Und wer das nicht sieht…der hat den Karneval nicht verstanden.

Kennt Ihr das Buch Eat Pray Love? Da ist Elizabeth auf der Suche nach „Ihrem Wort“ (These: Jeder Mensch – jede Stadt, jede Person hat EIN Wort das genau zu ihr passt). Mein persönliches Wort habe ich noch nicht so richtig gefunden…. Aber sehr wohl das Wort für Köln. Das ist auf jeden Fall und ohne jeden Zweifel „Jeföhl“

Ich liebe es mich zu verkleiden, mir Monate im Voraus Gedanken über ein Kostüm zu machen, (ich wünschte ich könnte nähen), in eine andere Rolle zu schlüpfen und mich „verrückt“ fertig zu machen und zu schminken. Nicht jedes Jahr gibt es die Knalleridee, das Superkostüm, aber im Laufe der Zeit gab es schon viele tolle Kostüme die spät abends durchgetanzt in die Ecke flogen.

Karneval

Karneval

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Karneval

Karneval

Karneval

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Als Gruppe machen sich die Missen besonders gut 🙂

Karneval

Natürlich feiere ich heute nicht mehr wie in meinen 20ern von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch durch. Aber der Weiberfastnachtstag (Wieverfastelovend) ist erhalten geblieben. Und sicher wird es auch einen Rosenmontagszug geben. (Sofern es nicht in Strömen gießt) Es gab ein Jahr, da hatte ich einen Zylinder auf (Schornsteinfeger) – nach Stunden in Köln am Straßenrand im Schneegestöber war der Zylinder so aufgeweicht dass nur noch ein Schlapphut übrig war. Die Zeiten sind definitiv vorbei 🙂

Das Wichtigste ist natürlich die Musik. Ich steh auf Karnevalslieder oder überhaupt auf kölsche Musik. Ich finde Brings sind der Knaller und auch die Paveier haben immer wieder schöne neue Stücke die sich zum Ohrwurm eignen (leev Marie). Es gibt so viele tolle „neue“ und junge Künstler, (natürlich auch solche, ohne die der Karneval seit Jahrzehnten gar nicht denkbar wäre), die wieder „richtige“ Karnevalsmusik machen und kölsch singen. Kasalla, Cat Ballon – da hält einen nix mehr auf den Stühlen….. Querbeat, Klüngelköpp – ich kann jetzt gar nicht alle aufzählen die ich gut finde, es sind so viele tolle Stücke entstanden im Laufe der Zeit! Und jedes Jahr kommen neue hinzu.

Ein bisschen Zeit haben wir noch die Karnevalsmusik zu hören, ein paar Tage ist noch Zeit zum Schunkeln bis Aschermittwoch.

In diesem Sinne….habt noch eine schöne Zeit und genießt das bunte Treiben. Denn der Moment ist… genau jetzt!(Höhner)

KÖLLE ALAAF

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