Gedanken zu 25 Jahren deutscher Wiedervereinigung

Es ist ein Vierteljahrhundert her. Mein Gott wo ist die Zeit geblieben. Ich bin Zeitzeugin. Ich war 27 als es passierte. Damals. Am 9. November 1989. Die Bilder von der Grenzöffnung in Berlin/ Bornholmer Straße bewegen mich heute wie damals zu Tränen.  Eben habe ich mir noch einmal ein Video angesehen und es fühlt sich an wie damals. Bewegend. Grandios. Emotional. Mit offenem Mund vor dem Fernseher um ja nichts zu verpassen. Geschichte wird geschrieben und das Bewusstsein dafür ist in diesem Moment da.  Etwas ganz Großes passiert. Diese unfassbare Energie. Elektrisch. Zum Greifen nah. Jeder kann es spüren. Friedlich. Die Grenzer haben sie durchgelassen. Weil die Zeit reif war. Wildfremde Menschen liegen sich in den Armen. Feiern. Weinen. Lachen. Glück. FREIHEIT.

Die Grenzbeamten sehen zu.  Geben den Weg frei. Auch sie sind „dabei“.

Sie hatten nicht die Möglichkeit im dauer-on mit den Vorgesetzten/ mit der Politik  zu sein. Kein Internet, kein Facebook, kein Twitter, nicht eimal Handys. Die einzige Möglichkeit sich auszutauschen – über Festnetz. Menschenmengen vor dem Schlagbaum. Und es werden immer mehr. Die Entscheidung ist gefallen. Der Schlagbaum geht auf.

25 Jahre später sind wir ein Land. Wir haben es geschafft. Heute haben wir andere Probleme. Die Flüchtlingskrise beherrscht unsere Zeit. Aber es entwickelt sich eine neue Willkommenskultur. Wieder geht es von den Menschen aus. Vom Volk. Deutschland zeigt ein freundliches und hilfsbereites Gesicht. Ich weiß nicht wie sich die Dinge entwickeln werden. Sicherlich wird es schwer. Und ich weiß nicht wie es gehen kann. Klar habe ich manchmal auch Angst und zuweilen wird mir ein wenig mulmig angesichts der täglichen Berichterstattung. Aber im Grunde bin ich völlig bei der Kanzlerin die gesagt hat: Wir schaffen das!

Wir haben die Deutsche Einheit geschafft und nach dem Krieg kamen schon einmal Flüchtlingsströme zu uns. Und auch das haben wir geschafft. Es geht uns gut!

Und Fußballweltmeister sind wir auch 🙂

 

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Das Datum hat mich in alten Fotoalben stöbern lassen. Zehn Jahre vor dem Mauerfall 1979 war ich auf Klassenfahrt in Berlin. Ich war 16 und es war aufregend. Mein erstes Mal Berlin.

Ich kann mich noch genau an die Zugfahrt durch die DDR erinnern. An die Grenzkontrollen. An verwaiste U Bahn- Stationen an denen der Zug nicht anhielt. Ein bedrückendes Gefühl. Gespenstisch.Wir haben alle gedacht: Hoffentlich geht alles gut. Bloß nicht irgendwie auffällig verhalten. Aber nun ja….was passiert, wenn eine Klasse 16jähriger auf Reisen versucht sich möglichst unauffällig zu verhalten kann man sich denken. Es war spannend für uns. Und alles ging gut.

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Den Aufenthalt in Ost-Berlin habe ich als sehr trist in Erinnerung. Farblos. Grau. Den Anblick von Waffen waren wir nicht  gewöhnt. Ich fühlte mich beobachtet.

Eine Klassenkameradin verlor ihren Ausweis in Ostberlin. Sie erschien erst spät in der Nacht mit der Lehrerin zurück.

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Vor eineinhalb Jahren war ich mit meinen Mädels noch einmal in Berlin. Was für eine Hammer-Stadt ist das geworden. Und was für ein Gefühl dort herumzulaufen wo damals Sperrzone war. Die Erinnerung war noch sehr frisch.

Berlin muss ich unbedingt nochmal haben 🙂

2 Gedanken zu “Gedanken zu 25 Jahren deutscher Wiedervereinigung

  1. Das sind wirklich eindringliche Bilder aus Deinem Fotoalbum!

    Ich habe Berlin nicht kennengelernt, während die Mauer noch stand, und dachte ehrlich gesagt, dass es nie eine Wiedervereinigung geben würde. Die Geschichte hat mich eines Besseren belehrt und etwa zwei Jahre später kam ich dann doch nach Berlin. Am Brandenburger Tor konnte man von der Mauer auf den ersten Blick schon nichts mehr erkennen, aber bei der S-Bahn-Fahrt durch die Stadt konnte man ziemlich genau merken, wann man das ehemalige Ostberlin erreichte: Auf einmal war alles ganz grau und trist. Fast ein bisschen gruselig, dieser krasse Unterschied.

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