Die Freundin und Sylvester

Meine Freundin Neele hasst Sylvester!

Schon immer. Sie sagt nach den Weihnachtsfeiertagen passt das Glitzerkleidchen nicht mehr. Sie ist nicht in shape. Und in Feierstimmung erst recht nicht. Der Mann mit dem sie feiern möchte ist weit weg. Mit der Anderen – auf und davon. Amüsiert sich. „Was machst Du Sylvester?“ wird sie überall gefragt. Im Büro, bei Freunden, im Fitnesstudio. Was soll sie sagen? „Ich bleibe alleine zu Hause, mache eine Tüte Chips auf – Oder zwei? Ein Serienmarathon vor dem Fernseher? Eine Flasche Schampus? Um 12 ne Runde heulen und das Handy hypnotisieren, sich dabei vorstellen wie er die andere küsst?! Wie hört sich das denn an? Was sollen die Leute denken? Dass sie keine Freunde hat? Dass sie ein bisschen verrückt im Kopf ist? Kauzig? Zumindest ein „gemütlicher Spiele- oder Fondueabend mit Freunden“ sollte doch drin sein. Oder Raclette. Das wäre noch „gesellschaftsfähig.“ Würde akzeptiert.

Neele findet Sylvester überflüssig. Nervig. Feierzwang. Überzogene Erwartungen an einen einzigen Abend. Außerdem ist Neele um 10 Uhr müde. Spätestens um 11 will sie sich auf die Couch kuscheln. Bequeme Klamotten tragen. Sylvester ist einfach nicht ihr Ding. Sie braucht diesen Tag nicht für eine gelungene Partynacht.

Früher, als junge Frau ist sie Gruppenzwangsweise durch die Nacht getanzt. Hat sich nicht getraut zu sagen was sie denkt und will. Und hat heimlich jede Stunde auf die Uhr geguckt ob sie bald gehen kann. Kann „,man“ um eins schon gehen? Oder besser bis zwei warten? Und wie kommt man weg? Krieg mal Sylvester ein Taxi. Das geht bis fünf vor zwölf –  dann frühestens ab drei wieder.

Heute Nacht um 12 wird Neele auf der Dachterasse stehen. Allein. Ein Glas Champagner in der Hand, am Hummer naschen und lächeln. Voller Pläne für das Neue Jahr – über die Stadt blicken und das Feuerwerk ansehen. Sie wird sich auf das Neue Jahr freuen – in dem wieder 12 Monate Zeit sind bis Sylvester!

2 Gedanken zu “Die Freundin und Sylvester

  1. In diesem Fall kann ich Neele mal gut verstehen: Ich mag die übersteigerten Erwartungen auch nicht und ich will an Sylvester nur faul zuhause rumliegen, Snacks knabbern, gedanklich nicht mal zwingend das Jahr Revue passieren lassen, und um 24 Uhr gerne Feuerwerk gucken (das ist zum Teil aber auch Selbsschutz, denn ich mag nicht gerne von Böllerschüssen aufgeweckt werden). Feuerwerk ist das einzig Schöne an Sylvester. (Gut geschossenes Foto, übrigens. Ich habe ja noch nie ein Feuerwerksfoto hingekriegt.) Naja, die undefiniert freudige Erwartung auf eine ganz neue Chance ist irgendwie auch ein bisschen was Schönes an Sylvester, sie hat so was Beschwingendes. Das wirklich Schöne daran: die Vorfreude mit anderen teilen! ‚Hey, dieses Jahr wird alles besser!‘
    Aber muss denn die Knallerei wirklich sein? Ich meine damit: Die Farben sind so schön, aber wie ich dieses Jahr feststellen durfte, geht das auch mit einem BLOP oder BUFF und muss nicht Lärm machen. Das Lärmen gehört aber für viele dazu – und das finde ich wiederum nervig an Sylvester. Und dass fast jeder seinen Böllermüll einfach liegen lässt!

    • Dass Viele ihren Müll einfach rumliegen lassen gefällt mir auch nicht, und auch mit dem Lärm der Knallerei stimme ich mit Dir völlig überein. Richtig schönes Feuerwerk mag ich gerne ansehen…die Knallerei die nur Krach macht….brauch ich dagegen nicht.

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