Die Freundin und der Neid

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Meine Freundin Neele ist neidisch – und schämt sich dafür! Weil sie eigentlich ein guter und großherziger Mensch ist. Und Neid im Leben eines guten Menschen nichts zu suchen hat. Aber Herrje……muss denn ausgerechnet ihre umwerfend aussehende Nachbarin die Weltreise gewinnen? Die alles hat? Das schöne Haus, den erfolgreichen, liebevollen fürsorglichen Mann und die gesunden wohlgeratenen Kinder. Den tollen Job. Und Geld genug sowieso…Genau DIE Reise, von der Neele immer geträumt hat, und die sie wohl nie machen wird?!

Jetzt fühlt sie sich schlecht….weil Neid ein no go ist. Neid ist hässlich und böse. Neid ist ein Laster. Die Fratze unter den Gefühlen. Der böse Wolf unter den Eigenschaften. So wie der böse Wolf kleine Kinder im Märchen frisst so frisst der Neid Zufriedenheit. Neid ist keine Eigenschaft mit der man sich schmücken kann. „Man“ ist nicht neidisch. So haben wir es gelernt und so sind wir erzogen. Aber mal ehrlich, ist das wirklich so? Ein bisschen neidisch darf man doch sein, oder? Ich kann durchaus neidisch sein auf Dinge die andere bekommen/haben/ erreichen und sie ihnen trotzdem von Herzen gönnen. Einfach im Sinne von: Oh, DAS hätte ich aber jetzt auch gerne…..Nichts Schlimmes dabei… kommt ja immer darauf an wie wir damit umgehen.

Eine andere Hausnummer ist da schon diese missgünstige Art von Neid. Ich meine alltägliche Situationen in denen der Eine dem Anderen die Butter auf dem Brot nicht gönnt. Wo nach rechts und links geschielt wird, verglichen……bewertet… und sobald derjenige sich umdreht wird abgelästert und übel nachgeredet. Mal ehrlich, wer kennt das nicht von irgendwo?

DER verdient mehr als ICH? Wieso? Ist doch nur ein Schaumschläger….

DER bekommt die interessante Aufgabe? Wo doch eigentlich ICH an der „Reihe“ wäre….?!

DIE hat 20 Kilo abgenommen?! Mal sehen ob sie es halten kann. Aber älter macht es sie ja schon….. und als sie noch dick war hatte sie ja viel weniger Falten……

ICH soll diese zusätzliche Aufgabe auch noch übernehmen? Die anderen lachen und quatschen so viel. Die haben scheinbar viel mehr Zeit als ich und nichts zu tun….

Die macht diese tolle Reise/ arbeitet nur noch halbtags? Na die muss ja Geld übrig haben. ICH bin ja alleinverdienend. ICH bin ja nicht reich geboren. ICH habe nicht diese guten Gene. ICH habe keine Freunde. Und vor allem……bin ich keinesfalls dafür verantwortlich wo ich stehe…Alle anderen hatten mehr Glück.

Vor Neid und Missgunst zerfressen, obwohl es einem objektiv gesehen gut geht. Die Liste wäre endlos weiterzuführen. Und das bööse bööse Universum ist schuld. Und das Schiksal. Auf keinen Fall haben/hatten sie selbst Einfluss auf ihre Situation. Warum es nicht besser geklappt hat? Ausreden über Ausreden…

Ich finde, Neid kann auch ein Ansporn sein. Frei nach dem Motto: Wenn andere das können – Vielleicht kann ich es auch? So auch mit dem Blog. Vielleicht wird mein Blog eines Tages erfolgreich sein?! Wie der von so vielen tollen Bloggern auf die ich mit einem durchaus neidischen, aber auch von Herzen wohlwollenden Blick schiele. Sie haben hart dafür gearbeitet und es verdient. Ich werde es nur erfahren wenn ich es versuche. Und daran arbeite. Und die Weichen in die richtige Richtung stelle. Und dranbleibe.

Und Missgunst kommt in die Verbannung. Denn mal ehrlich. Wer möchte schon Menschen um sich haben die missgünstig auf das Tun anderer sehen und es ihnen neiden. Die sich möglicherweise freuen, wenn andere mit ihrem Tun auf die Nase fallen. Um dann überall zu verbreiten dass es ja eh ne Schnapsidee war und dass man es hätte vorher sagen können. Manchmal geht das Leben eben krumme Wege, aber ich finde das Wichtigste ist, aus Situationen in denen man nun mal ist, das Beste für sich zu machen und dort seine Energie und Disziplin zu investieren. Und Dinge die man tatsächlich nicht ändern kann eben hinnehmen. Und, ich meine wirklich hinnehmen, und nicht nur hadernd ertragen und neidisch auf alles und jeden schielen dem es vermeintlich besser geht.

3 Gedanken zu “Die Freundin und der Neid

  1. Was für eine schöne und passende Beschreibung des Neides: „Die Fratze unter den Gefühlen. Der böse Wolf unter den Eigenschaften. So wie der böse Wolf kleine Kinder im Märchen frisst so frisst der Neid Zufriedenheit.“ Das hat bei mir gleich ganz viele Bilder im Kopf losgerüttelt, von Menschen, die bei mißgünstigen Gedanken eine grässliche Miene zeigen. Wäre es doch so einfach, den Menschen ihre bösen Gedanken anzusehen!!!

    Ich finde auch, dass gerade die Mißgunst, die so oft am Neid hängt, das eigentlich Üble ist. Ich frage mich dabei echt, wo kommt das eigentlich her. Selbst wenn sich jemand etwas wirklich hart erarbeitet hat, dann wird demjenigen oft nicht gegönnt, was er sich deshalb leisten kann. Gut, ich finde jetzt auch, dass Fußballspieler viel zu hoch bezahlt werden, aber was sollte z.B. dieser Sh**storm, den Nationalspieler Özil über sich ergehen lassen musste, weil er sich von dem Geld, das ihm in den A**** geblasen wird, eine Luxuskarosse kauft? Wer von den Meckerern, die sich hinter moralischer Empörung verstecken, würde denn freiwillig den Trainingsplan eines Topspielers absolvieren? Ich glaube, wenn man Neid empfindet, sollte man mal eine kleine Eigenanalyse tätigen, ob man eben, ähnlich Deinem Gedanken des Ansporns, z.B. beruflich wirklich das leistet, was man könnte.

  2. Ein sehr schöner Post über ein schwieriges Thema. Ja, wir Menschen sind neidisch und bekommen zugleich vermittelt, dass Neid sich nicht gehört. Neid ist ein Gefühl, dass man nicht haben darf. Wenn man ein neidischer Mensch ist, kann man kein guter Mensch sein. Das steht sogar schon in der Bibel. Aber trotzdem ist Neid etwas, das wohl jeder von und hin und wieder fühlt, obwohl man es gar nicht fühlen möchte und obwohl man sonst mit sich im Reinen ist. Aus dem Grund glaube ich, dass Neid etwas ist, das uns antreibt. Er hält uns vor Augen, dass es Dinge gibt, die wir nicht haben, aber die wir haben möchten. Und dass andere sie haben, bedeutet ja, dass sie nicht unerreichbar sind, nur, dass man etwas dafür tun muss.
    Vielleicht ist Neid etwas gar nicht so Schlechtes, solange er nicht in Missgunst umschlägt.

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