Die Freundin und das Rumgenörgel

Meine Freundin Neele nörgelt.

Tief im inneren versteckt ist sie ein liebevoller und guter Mensch. Im Notfall könnte man bei ihr nachts um drei klingeln und sie würde einen aufnehmen. Aber der Alltag mit Ihr kann einen zur Verzweiflung bringen.

Es ist zu kalt – Es ist zu warm; Klimaanlage an – Klimaanlage aus; Fenster auf – Fenster zu; Licht an – Licht aus;

Ich esse dies nicht – Ich esse jenes nicht; Ich mag keine Möhren/ keine Erbsen/ keine Erdbeeren und keine Zuckerwatte; Mit Radio kann ich nicht arbeiten; Das aufgewärmte Essen der Kollegin riecht nach Fertiggericht und das Kantinenessen schmeckt täglich gleich – nach Pappe.

Der Chef ist ungerecht; Auf der Toilette müffelt es – welch Wunder; Der Kellner ist unfreundlich, die Essensempfehlung schlecht; Die Terrasse voller Wespen; Der Radweg ist zu hubbelig; Der Strand zu steinig – zu voll sowieso; Die Sonnencreme klebt und das Wasser ist viel salziger als sonst; Zu heiß ist es auch. Im Sommer. Im Süden. Wer hätte damit rechnen können?

Und überhaupt – dass man sich in der Karibik am weißen Traumstrand die Füße an Korallen und Muscheln verletzt stand nicht im Urlaubskatalog. Definitiv ist dafür das Reisebüro verantwortlich – so wie immer und für alles jemand anders verantwortlich ist.

Zu viele Schlaglöcher; Zu wenig Parkplätze – die zu teuer und nicht nah genug am Geschehen; Das Auto ist zu langsam / zu schnell / zu nah; der Fahrstil zu agressiv; Die Bahn hat Verspätung/ fällt aus/ hat keinen Sitzplatz und stinkt; Das Telefonat ist zu kurz / zu selten. „Nie“ ruft der Andere an, dabei wäre der doch „dran“ gewesen. Neeles Mann kümmert sich nicht genug / versteht sie nicht.

Neele war in der Klinik und das Essen war schlecht. Die Schwester ist nicht schnell genug „gesprungen“ wenn sie geklingelt hat. Die Zimmerpartnerin war unsympathisch – zu viel Besuch – und der zu laut. Die Therapeuten waren unfähig und die Ärzte hatten keine Ahnung – und keine Zeit sich täglich ein Stündchen ihre Sorgen anzuhören.

Neele hat kein Geld. Neele jammert dass sie so arm ist. Sich nichts zu essen kaufen kann. Keine schöne Kleidung. Obwohl sie von allen am meisten arbeitet – und meiner Ansicht nach echt gut verdient! Niemand hat mehr Stress als sie. Sie bemitleidet sich. Ist das Opfer. Schuld? – Niemals sie selbst. Sie hat ja keine Wahl. Das Schicksal – unabänderlich. Sie fühlt sich ungerecht behandelt – von wem eigentlich? – Und zickt rum. Meckert, brüllt Leute an die nichts dafür können, lamentiert, weint, jöhmert, trägt eine leidende Mine zur Schau und macht damit Anderen das Leben zur Hölle. Die ganze Haltung ein einziger Vorwurf. Als ob sie keinen Einfluss auf die Gestaltung ihres eigenen Lebens hätte….

Es nervt. Und es hört nicht auf. Es zieht sich über Stunden, Tage und durchs Leben.

Sozialverträglich geht echt anders. Selbst beim noch so guten Kern. 90 % des Lebens bestehen schließlich aus Alltag.

Da sitzt man völlig entspannt im Restaurant / im Wellness-Center und denkt an nichts Böses oder fährt nebeneinander im Studio Ergometer und fühlt sich gerade wohl mit sich und seinem Leben……da geht nebenan das Nörgelgewitter los. Und es wird Blickkontakt gesucht. Nach Zustimmung heischend.

Ehrlich………ich frage mich manchmal……wenn jemand nur „Sprechdurchfall“ von sich gibt – kann er nicht einfach mal die Klappe halten? Oder wenigstens seine Mitmenschen in Ruhe lassen? Andere sich wohlfühlen / ihren Beschäftigungen nachgehen lassen? Bloß nicht angucken, sonst geht es los. Freundlich gucken ist das Signal. Bloß nicht anlächeln. Lächeln ist die ultimative Aufforderung. Diese Menschen wollen Aufmerksamkeit um jeden Preis. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und nerven damit früher oder später Kollegen / Freunde / Partner und wundern sich wenn man sich zurückzieht und sie irgendwann alleine dastehen.

Stellt sich die Frage nach der Motivation? Nach dem „Warum“? Um – wenn sie sich selbst nicht aufwerten können ihr Umfeld auf ihr eigenes Niveau herabzubringen? –Minderwertigkeitskomplexe?

Schlechte Laune ist ansteckend. Nörgler stecken ihr Umfeld damit an und die schlechte Laune verbreitet sich in rasender Geschwindigkeit. Und damit sind diese Spaßbremsen nicht Opfer der negativen Umstände sondern deren Ursache. Schnell wird es zur Gewohnheit erstmal das Negative zu sehen und zu meckern. Kein Wunder dass es irgendwann zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird. Durch das Genörgel werden nervige Kleinigkeiten zu riesigen Themen aufgebauscht die den ganzen „Raum“ beanspruchen. Nörgler umgeben sich gerne mit Menschen die ihre Ansichten bestätigen sodass sich Nörglergrüppchen bilden denen gut gelaunte Kollegen gegenüberstehen. Ob das mal gut fürs Betriebsklima und fürs Team ist?

Und mal im Ernst. Uns – und damit meine ich den durchschnittlichen Arbeitnehmer der so verdient, dass er sich eine eigene Wohnung leisten kann. Und ein Auto. Und Urlaub. Der krankenversichert ist……. Uns geht’s doch gut. Man sagt ja dass nörgeln typisch deutsch ist ?! Ist es das?

Bitte versteht mich richtig….

Auch ich nörgel schon mal rum. Auch ich meckere und auch mir passen Dinge nicht. Aber wenn Nörgeln und Meckern tages- und lebensfüllend wird finde ich es bedenklich. Die Dosis macht das Gift. Schade, weil so viel Raum für Schönes verloren geht. Raum für Inspiration. Raum für Kreativität. Raum für Innovation. Raum für Freude. Schon im Ansatz werden Neuerungen und Veränderungen geblockt und ausgebremst. Wie schade eigentlich……. Ich habe schon erlebt dass grundsätzlich fröhliche und unternehmungslustige Menschen durch zu viel Umgang mit Nörglern deren Eigenschaften übernommen haben.

Wie steht Ihr zu diesem Thema? Habt Ihr auch Erfahrungen damit? Nervt es Euch? Findet Ihr es gerechtfertigt? Wie geht Ihr damit um? Wie reagiert Ihr darauf?

Freue mich auf und über Kommentare 🙂

 

2 Gedanken zu “Die Freundin und das Rumgenörgel

  1. Nörgeln scheint tatsächlich typisch deutsch zu sein. Jedenfalls fallen mir gut gelaunte Menschen extrem auf, weil drum herum SO VIELE runtergezogene Mundwinkel herumlaufen. Leider kann man den Nörglern nicht aus dem Weg gehen im Alltag und ich habe noch keine Strategie gefunden, die funktioniert. Wenn man versucht, die Leute auf etwas Positives aufmerksam zu machen, dann blocken sie nur ab und auf Dauer weghören kann ich leider auch nicht, denn die Nörgelei dringt mir irgendwann einfach durch die Haut.
    Nervt es? JA! Ist es gerechtfertigt? Nörgeln? Nein, nörgeln ist nie gerechtfertigt, finde ich. Wenn man Sorgen hat, dann darf man sich Sorgen machen, aber zu kalter Tee, falsches Wetter, unfreundliche Bedienungen, Muscheln am Strand oder zuviel Grad Celsius sind KEINE Sorgen!

    • Danke für Deine Gedanken, freue mich über Deinen Kommentar 🙂
      Ist mir auch schon mal aufgefallen….Ich mache jemanden auf etwas Positives aufmerksam das ich gerade richtig toll finde und das mich begeistert…..und ernte verständnisloses Schweigen!
      Manchmal muss ich dann grinsen und denke: „Da ist sie wieder – diese ganz bestimmte Reaktion“ – aber immer mit einem Lächeln abtun kann ich das natürlich auch nicht.

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